Flora
Die reiche Pflanzendecke unserer Bergwelt mit ihrer intensiven Farbenpracht und den vielfältig entwickelten Überlebensstrategieen eingehend vorzustellen, soll den entsprechenden Büchern und Naturführern überlassen bleiben.

Eine schöne floristische Besonderheit ist sicherlich der Schnittlauch (Allium schoenoprasum L.). Wir finden ihn in recht ansehnlichen Fluren im zweiten Teil des Aufstiegs zur Triffthütte. Unser Schnittlauch, den wir in der Küche verwenden, ist eine Zuchtform dieser Art. Im Gegensatz zu unserem Garten-Schnittlauch der fade weiss blüht, hat der Alpenschnittlauch kugelige purpurrote Blüten. Der Geschmack der linealförmigen hohlen Stängel ist gar etwas intensiver als unser Küchenkraut.
Der Alpenschnittlauch fällt in dieser Höhe auf, weil er wesentlich zarter gebaut ist als die meisten übrigen Pflanzen in seiner Nachbarschaft. Als Liliengewächs hat er eine kleine Zwiebel die nicht sehr tief im Erdreich steckt – genau wie wir es von seinem Gartenverwandten her kennen. Wie überstehen diese zarten Zwiebeln die lange Kälteperiode? Der Alpenschnittlauch wächst auf Humusböden die stets feucht sind, ja sogar nass überflutet sein können. Dieses Wasser stösst aus dem Boden an die Oberfläche und hat immer etwa die gleiche Temperatur – ob Sommer oder Winter. Das heisst, dass die Kälte die im Winter auf die Oberfläche einwirkt, konkurrenziert wird von der Temperatur die das Wasser mit sich führt. Sobald Schnee liegt, wird sich auf der Bodenoberfläche eine Zone bilden die gerade nicht gefriert. Und die Schneeschicht hilft als zusätzlicher Isolator. So ist die Zeit, die die Zwiebeln Frost erdulden, derart beschränkt, dass ein Überdauern möglich ist. Damit ist aber auch die Ausbreitung des Schnittlauchs genau auf die Flächen begrenzt, die diese Bedingung erfüllt.

Blumenpracht direkt am Wegrand: Wundklee, Alpen-Vergissmeinnicht, Frauenmänteli, Braunklee, und wilder Thymian.