Hintergrund
Der Triftgletscher hat heute eine Länge von rund 5.1 km, eine Fläche von ungefähr 15.5 km2 und erstreckt sich zwischen 1'650 m ü.M. und 3'380 m ü.M. (Herbst 2003). Der Gletscher besitzt ein relativ weit ausgedehntes, verzweigtes Nährgebiet mit einer Zunge die sich auf 2'350 durch einen schmalen Ausfluss über eine Steilstufe in ein flach auslaufendes Becken ergiesst, das gegen Norden durch einen Felsriegel abgegrenzt ist. Am Ende der kleinen Eiszeit um 1860 lag das Zungenende rund 2.5 km weiter talauswärts und 1936 übergoss der Gletscher den Felsriegel breitflächig, wo er ab 1960 über längere Zeit stagnierte. Bis Mitte der 1990er Jahre reichte die Zunge noch bis an den Anfang der Schlucht im Felsriegel. Inzwischen ist der Zungenbereich stark zusammengeschmolzen und der Gletscher hat den Kontakt zum Felsriegel verloren. Da der Untergrund hinter dem Felsriegel übertieft ist, hat sich im Gletschervorfeld ein proglazialer See gebildet.

Lange Zeit erlangte der Triftgletscher viel Aufsehen, da seine flache Zunge durch gut ausgebildete Ogiven gekenntzeichnet war. Diese bogenförmigen Wulst-Strukturen auf der Gletscheroberfläche unterhalb eines Gletscherbruchs sind das Resultat von jahreszeitlich variierenden Vorgänge in der Steilstufe. Diese einst schulbuchmässig ausgebildeten Fliessformen sind während der vergangenen 10 bis 15 Jahren sukzessive verschwunden. Der sich auf Kosten des Gletschers laufend vergrössernde See hat das beschleunigte Zurückschwinden der stark ausgedünnten Zunge zusätzlich verstärkt (erhöhter Wärmefluss und Kalben).

Da zu erwarten ist, dass sich der Gletscher bis zur Steilstufe zurückziehen wird, entsteht die Gefahr von grossen Eisabbrüchen direkt in den See. Dadurch können Flutwellen entstehen und das untenliegende Tal in Mitleidenschaft ziehen. Diese Gefahr dürfte sich mit der Zeit sogar verstärken, da mit dem Gletscherrückgang auch die Höhe der Gletscheroberfläche unterhalb der Steilstufe abnehmen wird, was zu einer immer steiler werdenden Sturzbahn führt. Gleichzeitig kann ein Ausdünnen der Eismassen in der Steilstufe zu einer weiteren Abnahme der Stabilität führen.

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